
Hallo, ich bin Andreea.
Ich wurde 1990 in Timișoara geboren, als Teil der ersten Generation nach dem Kommunismus. Als jüngstes Kind in einer rumänischen Familie kam ich in eine Welt, die bereits viel getragen hatte, lange bevor ich selbst Worte dafür fand.
Ich war ein Kind, das wartete.
Ein Kind, das an Küchentischen saß und Fragen stellte, auf die es keine Antworten gab.
Ein Kind, das lernte, die Stimme der Mutter nicht mehr über Nähe, sondern über ein Telefonkabel zu erkennen.
Meine Kindheit ist verbunden mit Sommern, die sich anfühlten wie Versprechen. Mit Abschieden, die nicht erklärt wurden. Mit einer Normalität, in der Abwesenheit Teil des Alltags war, ohne jemals wirklich benannt zu werden.
Anfang 2000er Jahre öffnete Europa seine ersten Türen für rumänische Arbeitskräfte. Spanien, Italien, Portugal suchten Erntehelferinnen, Pflegekräfte, billige Arbeitskräfte. Hunderttausende Eltern gingen, nicht aus Abenteuerlust, nicht aus Flucht, sondern aus Verantwortung. Sie wollten nicht weg. Sie wollten bleiben können. Für ihre Familien. Für eine Zukunft, die zu Hause nicht möglich schien.
Damals verstand ich nichts davon.
Heute, mit 36 Jahren, beginne ich zu begreifen, wie tief diese Jahre in uns eingeschrieben sind. Wie Migration nicht nur ein wirtschaftliches oder politisches Ereignis war, sondern eine emotionale Gravur. Wie sie Familienbeziehungen verändert, Identität geformt, Vertrauen verschoben und selbst unsere Fähigkeit, Nähe zuzulassen oder Distanz auszuhalten, geprägt hat.
Ich weiß: Ich bin nicht allein.
Wir waren viele. Eine stille Generation, selten erzählt, fast nie benannt, und doch unübersehbar in ihrem inneren Erbe. Aus diesem Wissen heraus ist dieses Projekt entstanden.
„Wo die Orangen blühen“ ist mehr als ein persönlicher Blog. Es ist ein Erinnerungsraum und ein Archiv für Geschichten, die lange keinen Platz hatten. Ein Ort, an dem Migration nicht als Erfolg oder Scheitern verhandelt wird, sondern als menschliche Erfahrung, mit all ihren Ambivalenzen, Brüchen und stillen Formen von Liebe.
Was ich der Welt zeigen möchte, ist eine Perspektive, die oft fehlt: die der Kinder. Der Zurückgebliebenen. Derjenigen, deren Leben von Entscheidungen geprägt wurde, die sie selbst nicht treffen konnten. Ich schreibe über Migration nicht als Bewegung von Arbeitskräften, sondern als Bewegung von Beziehungen, Emotionen und inneren Landschaften.
Dieses Projekt sammelt persönliche Erinnerungen, biografische Fragmente und Stimmen anderer, die sich wiedererkennen. Es versteht sich als offenes Archiv, als Ausgangspunkt für Dialog, Austausch und Sichtbarkeit, über Länder, Generationen und Erfahrungen hinweg. Nicht laut, nicht anklagend, sondern präzise und menschlich.
Ich schreibe nicht, um Antworten zu geben, sondern um Räume zu öffnen.
Räume für Erinnerung.
Räume für Anerkennung.
Räume für Geschichten, die verbinden.
"Wo die Orangen blühen" - dort begann das Europa meiner Kindheit.
Und hier beginnt der Versuch, diesem Teil unserer Geschichte einen Platz zu geben.